#6 Halloween vs. Thanksgiving- Welches ist der bessere Feiertag der USA ?

Nachdem ich an Thanksgiving schon genau 100 Tage USA erleben durfte habe ich mir natürlich einige Meinungen bilden können. Das Meiste positiv, aber natürlich gibt es egal wo man hin geht immer Etwas, dass man weniger mag. Heute habe ich für euch einen Vergleich zwischen zwei der größten Feste in den USA: Halloween und Thanksgiving. Dabei erzähle ich natürlich auch wie ich diese Feiertage verbracht habe.

Fangen wir mit Halloween an. Das ist nun ja auch schon einige Zeit her, und ich muss sagen ich glaube ich durfte dieses Jahr, wenn man so möchte, endlich die volle Blüte Halloweens erleben. Ursprünglich ist Halloween mit den irischen Immigranten in die USA gekommen, wo es sich immer mehr ausgeprägt hat und seit den 90er Jahren auch auf Europa übergesprungen ist. Auch wenn  die verschiedenen Arten diesen Tag zu feiern stark nach Region abweichen, das bestimmte Bild das wir von Halloween haben ist über jegliche Art von Medien zur Standard Vorstellung geworden, mit Kürbisen, Skeletten, verrückten Hausbeschmückungen, Kostümen und Parties. Gruselig und lustig zugleich. In Deutschland sind wir als Kinder natürlich auch Rübengeister laufen gegangen aber das ist ja nicht wirklich das was man sich unter einem amerikanischen Halloween vorstellt. Eigentlich ist Halloween kein Hexenwerk, aber egal wie sehr wir es in Deutschland doch versuchen, Es erreicht nie wirklich das amerikanische Ideal das wir uns setzen. Dieses Bild das wir durch Hollywood Filme seit den 80´ern ausgemalt bekommen, ist eben nur ein Bild. Deshalb ist es auch egal wie viele Halloween Parties wir in Deutschland feiern werden, weil es nie dem Ideal gerecht werden kann. Wie sollte es auch wenn es ein Brauch ist den wir einfach von einem anderen Land übernommen haben.

Aber warum feiern wir dann aber überhaupt Halloween?

Dazu gibt es viele Theorien. Zum einem gibt es uns einen Grund zum feiern. Auch wenn es oberflächlich klingt, seit dem 21. Jahrhundert sind für viele Menschen religiöse Bräuche weniger wichtig geworden und dazu kommt, dass wir nach der Sommersaison bis Fasching keine wirkliche Chance haben unverbindlich zu feiern. Halloween bietet da die perfekte Gelegenheit um vor dem neuen Jahr noch einmal voll aufdrehen zu können. Dazu kommt, dass der Mensch soziale Bräuche und Traditionen will. Kann man denn überhaupt genug Kultur haben die Spaß macht?

Aber wie immer wissen wir doch, dass es etwas anderes im Hintergrund gibt, dass das Ganze am Laufen hält – Der Kommerz.

Halloween ist auf dem dritten Platz wenn es um die die Einnahmen von Süßwarenhandeln geht, gleich nach Weihnachten und Ostern.

Und nicht nur die Süßwarenindustrie, für Kneipen und Clubs wird Halloween Jahr für Jahr zu einem wichtigeren Ereignis. Und dann denkt man noch an die Ganze Dekoration die dadurch verkauft wird. Hier in den USA fängt es schon Mitte/Ende August an, dass man Halloween Artikel sieht. Obwohl unser Haus nicht ganz so extrem dekoriert war, habe ich auch richtig verrückte Dekorationen gesehen, genauso wie man sich ein amerikanisches Halloween Haus vorstellt.

Das war unsere außen Deko für Halloween
Das war unsere außen Deko für Halloween

Aber obwohl ich dieses Jahr endlich mal das „echte“ Halloween erleben durfte, muss ich trotzdem ehrlich sagen: Es ist nicht so spektakulär wie man sich das Vorstellt. Ich war wie in Deutschland wirklich ein ganz kleines bisschen enttäuscht.

Nicht dass man mich jetzt falsch versteht, ich hatte wirklich Spaß und es war ein tolles Fest aber nach all den Dingen die man hört ist es klar, dass so hohe Erwartungen nicht erfüllt werden können. Um das besser zu verstehen erzähle ich erst einmal was ich Alles erleben durfte.

Die Vorbereitungen fingen schon Wochen bevor dem eigentlichen Halloween an, als ich angefangen habe mein Kostüm zu nähen. Manche von euch erinnern sich vielleicht noch daran, dass ich geplant hatte das Kleid von dem Barbie Schwanensee Film anzuziehen.

das Barbie Kleid

Ich habe ohne zu übertreiben drei Wochen lang sobald ich von der Schule gekommen bin bis nachts genäht und habe es wirklich in der aller letzten Sekunde fertig bekommen damit ich es rechtzeitig zu der Halloween Party zu der ich eingeladen war anziehen konnte. Und wenn ich aller letze Sekunde meine, meine ich aller letzte Sekunde. Und mit rechtzeitig meine ich eine Stunde zu spät. Aber der Punkt ist ich habe es geschafft! Es ist zwar etwas eng, weil ich keinen Schnitt hatte und es mit dem Messen nicht zu genau nahm aber ich bin ehrlich gesagt etwas Stolz auf mich, dass ich das wirklich durchgezogen habe. Obwohl ich etwas Hilfe von meiner Gastutter zum Beispiel mit der Krone hatte, habe ich das wirklich alleine gemacht. Am Ende hatte ich zwar einen ziemlichen Schlafmangel, aber das war es wert.

 

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Liz und Ich als Odile und Odette
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mein Kleid

Also das ist mein fertiges Schwanensee Kostüm! Wie ihr sehen könnt hat meine Gastschwester natürlich ein passendes Kostüm, und zwar ist sie Odille, der schwarze
Schwan. Das Kostüm hat ihre Mutter gemacht, dafür hat sie ein fertiges Kleid als Grundlage genommen und es dann zu einem schwarzen Schwan umgewandelt, was wirklich auch nicht zu wenig Arbeit war.

Nach meiner Halloween Party die schon am Freitag war, hatten wir am Montag, den eigentlichen Halloween Tag, trotzdem Schule. Es kamen Großteil der Schüler, vor Allem natürlich die Theater-Kinder, in ihren Kostümen und es war wirklich ein witziger Tag. Nach der Schule gab es dann sogar einen Kostümwettbewerb. Liz (meine Schwester) und ich hatten geplant dass wir da einfach mitmachen sollten weil unsere Kostüme ja nicht ganz schlecht sind, aber unsere Gastmutter, eine erfahrene Kostümwettbewerbgewinnerin, hat gemeint dass wir etwas brauchen das uns rausstechen lässt. Ihr dürft jetzt gerne raten was Sie gemacht hat aber da kommt ihr sowieso nie im Leben drauf. Und zwar hat Sie kurzer Hand einen aufblasbaren Schwan bestellt. Ain´t kidding. Einen aufblasbaren Schwan. Ich sag´s nochmal: Einen Schwan. Den sie einfach bestellt hat damit wir damit in die Schule laufen und diesen Wettbewerb gewinnen. Ich muss sagen anfangs wusste ich nicht ob ich lachen oder weinen sollte, aber ich habe mir einfach nicht vorstellen können

wie wir bitte mit einem riessen Schwan durch die Schule laufen sollten. Aber Sie hat es ohne wenn und aber durchgezogen, und am Ende sind meine Gasteltern mit dem Schwan und einer Pumpe in der Schule rechtzeitig für den Wettbewerb aufgetaucht und wir haben wie Sie es gesagt hat gewonnen. Ungelogen, jeder fand den Schwan super und es war nicht einmal peinlich sondern wirklich witzig!

Der Schwan. Habe ich untertrieben?

Trotz super Wettbewerb war es einfach immer noch nicht ganz so super „wow“ wie einem das immer ausgemalt wird, weil einfach die richtige Stimmung gefehlt hat.

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Liz und Ich bei der Preisverleiung

Der Tag ging weiter mit Liz, mir und einer Freundin von Liz, zum Süßes oder Saures laufen, oder wie man in den USA sagt:“Trick or Treat“, damit wir auch ja das volle Programm abkriegen. An sich hat es ja schon Spaß gemacht und es war echt krass zu sehen, dass an vielen Häusern die Kinder Schlange standen weil die tolle Dekoration schon gezeigt hat, dass es dort die besten Süßigkeiten gibt. Während bei uns in Deutschland mittlerweile nur noch ein paar Kinder an Halloween auf die Straßen gehen, gab es hier Massen an Kindern die von Haus zu Haus gezogen sind! Es wäre aber wirklich viel mehr Spaß gewesen, wäre Liz´s Freundin nicht da gewesen weil die ist irgendwie nicht so meine Sorte Mensch, aber manche Sachen muss man eben so nehmen wie sie kommen.

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ein paar Eindrücke von unserem „Trick or Treating“
wir sind sogar endlich bei der St. Paul Cathedral vorbei gekommen

Im Großen und Ganzen war es aber wirklich ein erlebnisreiches und witziges Wochenende. Es war ehrlich toll mal das „originale“ Halloween zu erleben, auch wenn es nicht ganz das war was einem durch die Medien oder Filme gezeigt wird. Ich finde es ist eine nette Gelegenheit sich zu verkleiden und auf Parties zu gehen aber es ist wirklich kein außergewöhnliches Fest. Ich habe einfach das Gefühl, dass es durch die viele Aufmerksamkeit die das Fest aufgrund Kommerz Gründen bekommt, zu hoch angepriesen wird und man dadurch nie komplett das bekommt was man sich ausmalt. Obwohl Halloween in Deutschland Jahr für Jahr an Bedeutung gewinnt, finde ich es fehlt einfach etwas an diesem Tag was das ganze zu Etwas wirklich Ausgefallenem macht. Ein Kürbis reicht da nicht ganz. Außerdem finde ich, dass an Halloween das Gemeinschaftliche fehlt das einen mit anderen Menschen zusammen bringt anstatt einfach sein eigenes Ding zu machen. Ich weis es ist ein bisschen schwer zu erklären, aber das ist nur meine Meinung. Vielleicht findet ja irgendjemand im Gegensatz zu Halloween Fasching ganz schrecklich- man weis ja nie.

An Thanksgiving haben wir uns stattdessen bei unserer Tante und unserem Onkel zum Truthahn Essen mit der ganzen Familie getroffen. Es war wirklich ein schönes Fest und eine schöne Erfahrung, obwohl ich auch einige amerikanische Familien kennengelernt habe, die von Natives abstammen und Thanksgiving aus offensichtlichen und berechtigten Gründen nicht feiern. Ich weis ehrlich gesagt auch nicht wirklich was ich von dem Kern von Thanksgiving halten soll, darauf möchte ich hier aber auch nicht drauf eingehen weil sich da jeder seine eigene Meinung durch Recherche bilden kann.

Obwohl meine Gastmutter gesagt hat, dass das Thanksgiving das wir dieses Jahr hatten etwas an Festlichkeit gemangelt hat, finde ich es an Thanksgiving einfach schön, dass es einem Gelegenheit gibt mit der Familie zusammen zu kommen und seine Dankbarkeit zu zeigen, von dem vielen Essen ganz zu schweigen. Ich habe wirklich so viel gegessen, ungelogen ich dachte ich muss mich übergeben. Ich habe mich zwar so, so schlecht gefühlt aber zur gleichen Zeit war das Essen so, so gut, dass es das absolut wert war.

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Hier ein kleiner Einblick von der Situation…
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und dem Essen

Ich wollte wirklich nur noch schlafen und mich nie wieder bewegen bis ich das ganze Essen verdaut habe. Die Amerikaner habe da aber einen anderen Plan, und zwar ist dieser das sogenannte Black Friday shopping. Die Meisten wissen sicherlich was das ist von den ganzen Black Friday angeboten die mittlerweile auch in Deutschland, wie alles Andere was Amerikaner machen, immer bekannter werden. Im Grunde sind es einfach wirklich verrückt billige Angebote und Preise an dem Freitag nach Thanksgiving. Das Spezielle ist aber, dass man schon mitten in der Nacht (die schwarz ist=black) mit dem Einkaufen anfängt, damit man auch ja die besten Angebot abbekommt. Das bedeutet, dass man nach dem Thanksgiving Dinner ein Schläfchen macht um dann, abhängig von der Mall in die man geht, je nachdem um 12 oder 4 Uhr morgens los zum Einkaufen geht. Wenn man zum Beispiel in die Mall of America hier in Bloomington, Minnesota geht muss man auf jeden Fall damit rechnen in einer Schlange in der Kälte zu warten bis die Mall öffnet. Liz und ich wollten auch zur Mall aber weil Liz noch nicht 16 ist hätten sie Sie nicht reingelassen. Deshalb sind wir mit ihrer Schwester in eine kleinere Mall gegangen und dann um das ganze Erlebnis noch besser auszuprägen, am nächsten morgen nach einer ganzen Nacht Shopping um 11 Uhr mit ihrem großen Bruder in die Mall of America zu gehen. Ich wurde zwar gewarnt, dass es wirklich gnadenlos verrückt werden kann mit Menschen die auf Klamotten rumlaufen, sich gegenseitig schucken und Gegenstände aus den Händen reisen, aber in Wirklichkeit war es überhaupt nicht schlimm. In der Nacht in der kleineren Mall war überhaupt nichts los, und in der Mall of America war es einfach wie ein voller Tag im Einkaufszentrum, aber nichts übertrieben strapazierendes. Vielleicht hatte ich einfach Glück und war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, keine Ahnung, aber ich habe sowohl an Black Friday als auch an Cyber Monday (das selbe wie Black Friday nur in Online Shops)wirklich ein paar sehr, sehr gute Deals gemacht. Zudem bietet das auch die Chance auf billige Weihnachtsgeschenke und zwingt einen quasi dazu nicht mit Weihnachtsgeschenken auf den 23.12 zu warten.

Um die beiden Feiertage schlussendlich zu vergleichen, muss ich sagen, dass beide wirklich Spaß machen aber unter der Oberfläche nicht ganz  so „unschuldig“ sind wie man denkt. Auf der einen Seite hat man Halloween an dem es im Grunde nur um den Umsatz geht indem man durch Medien ein Bild verkauft das nicht existiert, und auf der anderen Seite gibt es Thanksgiving das zwar Familien zusammen bringt, bei dem ich aber nicht genug weis um zu sagen ob man diesen Tag bedenkenlos feiern kann.

Im Großen und Ganzen hatte ich aber eine sehr schöne Zeit und es war wirklich toll die typisch amerikanischen Feiertage einmal in Echt mit zu erleben und gemeinsam mit der Familie und Freunden zu genießen.

Ich weis dieser Blog-Eintrag kommt etwas zu spät aber wie ich zu sagen pflege: besser spät als nie. Ich hoffe ich habe die Maske die über diesen Feiertagen liegt etwas anheben können damit ihr euch in Deutschland eine bessere Vorstellung davon verschaffen könnt. Damit wünsche ich euch jetzt einen guten Rutsch ins neue Jahr, ich glaube ich schaffe den Weihnachtspost nicht mehr vor 2017 aber für Alle die es interessiert: Ich hatte sehr schöne Weihnachten, was übrigens mein persönlicher Feiertag-Favorit ist. Bei mir geht es dann wieder am 2. Januar mit J-term los, ich bin leider nicht in Cabaret gelandet aber dafür in Justin Leaf´s Contemporary Ballet, da bin ich auch schon ziemlich gespannt auf das was mich dort erwartet. Meine Proben gehen übrigens immer von 12-4 Uhr deshalb trauere ich den Ferien in dieser Hinsicht nicht nach.

Noch einmal euch Allen einen tollen Start in 2017!


xoxo,

Isi♥

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