#9 „Thank You Mr. President“- Der Anfang des Endes?

Wenn sich eine Tür schließt öffnet sich die Nächste. So heißt es zumindest. Obwohl man nicht vorhersagen kann wohin die neue Tür führt, kann man sich immer sicher sein dass es irgendwie weitergeht. Egal was hinter einem liegt, egal ob durch diese Zeit schlussendlich Gutes oder Schlechtes entstanden ist, ein Abschied bedeutet ein neuer Anfang, auch wenn Veränderung furchteinflössend sein kann.

Hoffnungslichter

Genau so hat sich diese Woche eine Tür geschlossen, die acht Jahre lang offen stand. Eine Tür, die für die ganze Welt Veränderung gebracht hat und vor Allem für die USA eine spannende Zeit war. Es war die Tür des ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerikas, die besonders eines bedeutet hat: nämlich Hoffnung. Hoffnung auf ein Ende der Diskriminierung, auf Frieden und Sozialegerechtigkeit. Für eine Hälfte Amerikas war dieser Hoffnungsschimmer nicht hell genug. Sie haben sich immer noch gefühlt als ob sie blind durch den Raum irren würden. Deshalb ist es die Öffnung der nächsten Tür, Trump´s Tür, die nach acht Jahren endlich ein Gefühl der Sicherheit verleiht. Für diese Menschen bedeutet eine neue Tür eine starke Hand die sie aus der Dunkelheit hinaus in die richtige Richtung zu einem neuem Hoffnungslicht führt.

Für die andere Hälfte Amerikas wird jedoch mit dem Schließen dieser Tür das Licht ihrer Hoffnung ausgelöscht. Es schien als ob hinter dieser Tür der einzige Hoffnungsfunke in einer ungerechten Welt brenne. Ohne dieses Licht setzt sich das Gefühl der Einsamkeit immer mehr fest und es scheint als ob sie verloren in einer niederdrückenden Dunkelheit seien die aufeinmal wie eine finstere Nacht nach einem schönen Sommertag über sie eingebrochen ist, um jegliche Hoffnung auf Besserung zu nehmen.

Das Ironische ist, dass das Licht das aus dem ersten Raum strahlte nur eine Illusion war die dadurch entstanden ist, dass jeder Einzelne der mit Hoffnung durch diese Tür trat ein eigenes Licht mit in die Dunkelheit brachte, das zusammen mit den anderen Lichtern diese acht Jahre Amtszeit erleuchtet haben. Was sie nicht realisieren ist, dass auch wenn es scheint als ob mit dem schließen Obama´s Tür eine ungewisse Dunkelheit beginnt, das Licht der letzten acht Jahre nicht aufhören wird als Erinnerung unter dem Türspalt hindurchzustrahlen und Hoffnung und Kraft spenden wird um sicherzustellen, dass das eigene Hoffnungslicht auch in furchteinflößender Dunkelheit aufflammt und schließlich wie ein Flächenbrand jeden Einzelnen erreichen wird.

 

Yes We Can.

Ich glaube das ist was Obama mit seiner aller letzten Rede als Präsident am zehnten Januar vermitteln wollte: Dass es nicht auf die Person ankommt die einen durch die Dunkelheit führt ob man schlussendlich Hoffnung findet oder nicht, sonder dass man nur erkennen muss, dass jeder ein eigenes Licht hat das darauf wartet angezündet zu werden um seinen Teil dazu beizutragen gemeinsam gegen die Dunkelheit anzukämpfen und schließlich seinen individuellen Weg in die Helligkeit findet.

Ich denke Obama wollte mit seinen letzten Worten  als jemand in Erinnerung bleiben, der für Zusammenhalt, Gleichheit und Wertschätzung des Individuums steht. Zudem sprach er seine Mahnung an die Amerikaner aus Demokratie nicht als selbstverständlich zu nehmen. Nach einem kurzen Rückblick auf das was er und das Volk in den acht Jahren geleistet haben, und insbesondere wie viel die Amerikanische Nation seit Beginn, zum Beispiel mit der Abschaffung der Sklaverei geschafft hat, hat er daran erinnert dass der Fortschritt nie makellos war und es sich angefühlt hat als ob man „bei jedem zweiten Schritt vorwärts einen Schritt zurück“ gehe, und dieser Fortschritt auch in  Zukunft nicht immer fehlerlos laufen wird. Trotzdem machte Obama darauf Aufmerksam, dass es in den Händen des Volkes liegt ob man frei ist oder nicht, ob man Gleichheit hat oder nicht, ob man sich als Nation entwickel oder eben nicht. Dabei nannte er drei grundsätzliche Bedrohungen einer Demokratie:

  1. Division– ein Land das nur von Reichen für Reiche ist und sich nicht um das Volk kümmert.
  2. A Post Racial America– Diskrimination, Stereotypen von Immigranten. An dieser stelle sagte er auch etwas sehr wichtiges, nämlich dass die selben Klischees, die heut zutage kursieren schon über Immigranten erzählt wurden als die Iren nach Amerika einwanderten. Und was hat es mit Amerika gemacht? Hat es sie geschwächt, die Nation zerstört? Ich glaube das kann ich unbeantwortet lassen und jedem die Chance geben es auf seine eigene Situation, und vor Allem auf Ellwangen zu beziehen.
  3. Sorting of Facts– Dass es auf einmal in Ordnung ist Fakten, bewiesene Information und Wissenschaft zu verneinen, nur weil es nicht in das eigene Spektrum reinpasst. Was in Obama´s Worten einfach nur „self defeating and dishonest“ ist.

Wie gesagt es ist nicht das Gerede der Politiker die eine wirkliche Veränderung hervorrufen können solange die Masse nicht mitzieht. Obwohl man Grundrechte oder eine Konstitution hat, ist es wie Obama schon sagte:“ nur ein Stück Pergament das keine Kraft an sich hat. Wir, das Volk, geben die Kraft, es kommt auf uns an“. Solange man aber keine Verantwortung als Bürger nimmt ist Freiheit nicht gesichert. Seiner Meinung nach ist es die Rolle jedes Einzelnen Demokratie zu bewachen, nicht jemanden für seine politische Meinung zu verurteilen oder jemandem über das Internet zu sagen dass er auf Grund seiner politischen Ansichten missgeleitet ist, wenn man so etwas nicht einmal ins Gesicht sagen kann. Es ist die Verantwortung des Bürgers anstatt sich über die Wahlen aufzuregen einfach selber in den Kongress zu gehen und sich aufstellen zu lassen.

Dieser Meinung kann ich mich völlig anschließen.

Ich habe das Gefühl, dass in Ländern wie die USA oder Deutschland mit jeder weiteren Generation vergessen wird, dass Demokratie und Frieden nicht von alleine kommen – „Die im Bundestag machen das schon“ und sich dann am Ende darüber aufregen, dass seine Meinung nicht in der Regierung vertreten wird wenn man nicht einmal wählen geht, während seit 1791 Frauen darum kämpfen mussten/müssen eine Stimme haben zu dürfen.

Obama´s Rede -„Anti Trump“?

Während ich die Abschied´s Rede Live verfolgt habe und am Ende als es um Michelle, seine Kinder und Joe Biden ging auch ein kleines Tränchen verdrückt habe, hat meine Gastmutter die meiner Meinung nach inhaltlich, stilistisch und symbolisch sehr gelungene Rede nicht verfolgt. Nach den vielen Bemerkungen die Obama gegen Trump im Wahlkampf und auch danach geäußert hat, hatte Sie keine Lust ihren Dienstag Abend mit einer Rede gegen ihren neuen Präsidenten zu schauen.

Obwohl es durch die Aufgabe des Präsidenten als Partei Führer klar ist, dass er sich während den Wahlen darum bemüht, dass ein Mitglied seiner Partei ins Amt eingesetzt wird, lässt es sich natürlich darum streiten ob seine Bemerkungen zu viel des Guten waren oder nicht. In dieser Rede jedoch waren diese Bedenken, meiner Ansicht nach, unbegründet. Das einzige was auf eine „Trump-Anspielung“ hinweisen könnte ist als er sagte, dass man keinen Klischees über Flüchtende/Immigranten haben sollte, sich nicht im Internet verstecken sollte um seine Meinung zu vertreten (#twitter) und wissenschaftliche Beweise nicht einfach verneinen kann nur weil es einem nicht gefällt. Letzteres kann auf Trump bezogen worden da er zum Beispiel Klimawandel für eine Lüge hält, ebenso wie die Evolutionstheorie.

Aber ich finde das war wie gesagt nicht der Punkt seiner Rede, ich habe diesen Abschied mehr als einen Appell an die Bevölkerung aufgenommen sich nicht als demokratisches Land, egal ob von Trump oder nicht, unterkriegen zu lassen da man in seine eigenen Möglichkeiten und Stärken glauben soll, oder wie ich es oben genannt habe: „sein Hoffnungslicht“, um sich zu einem Besseren zu entwickeln, da „constant change is not something to fear but to embrace“.

Trump´s Pressekonferenz

Was mich nun zum nächsten Tag und der darauf folgenden ersten Pressekonferenz Trump´s. Im perfektem Timing um Sie mit meinen Gasteltern anzuschauen bin ich morgens runter zum Müsli essen gekommen als die Konferenz angefangen hat. Obwohl Trump meiner Einschätzung nach zu beginn sehr gesammelt und seriös wirkte, als er über seine Pläne redete Industrie zurück in die USA zu bringen und seine persönlichen Geschäften seinen Söhnen zu überschreiben, fiel diese Maske als es mit den aktuellen Vorwürfen wegen Russland anfing und es war ganz der gute alte Trump.

Inhaltlich werde ich nicht zu stark auf seine Rede eingehen, da das genug in den Nachrichten in Deutschland verbreitet wurde. Jedoch möchte ich die Reaktion meiner Gastfamilie beschreiben. Ich habe meine Gastmutter am Abend gefragt was ihr denn an Trump während der Pressekonferenz gefallen hat, und wie erwartet war es das generelle Anders sein. Im Gegensatz zu den typischen Politikern sagt er einfach was er denkt. Er kümmert sich nicht darum was andere darüber denken sondern sagt seine Meinung gerade heraus, ohne Skript, egal ob es jemandem gefällt oder nicht. So hat er zum Beispiel CNN und Buzz-Feed beschimpft und es verweigert deren Fragen zu beantworten nachdem sie die Russland Sache verbreitet hatten. Obwohl ich finde es ist gut wenn ein Politiker Themen nicht verglimpflicht nur damit keine Gefühle verletzt werden, habe ich starke bedenken, dass in einer so machtvollen Position wie der Präsident der Vereinigten Staaten ist ein zu lockeres Mundwerk aufgrund Internationaler Beziehungen nicht immer von Vorteil ist. Zum Beispiel habe ich mich ehrlich gesagt persönlich angegriffen gefühlt als er die Presse Situation der USA mit Nazi-Deutschland verglichen hat. „Are we living in Nazi-Germany?“ Nein. Nein das tut ihr nicht Amerika. Und es ist unfassbar unangebracht, unpassend und beleidigend gegenüber Alle Opfer dieses Verbrechens die USA mit Lügenpresse und Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus zu vergleichen.

Das Andere was meiner Gastfamilie in der Pressekonferenz zugesprochen hat, und ab und zu ein „Uh I love this Guy!“ Schrei rausgelassen hat waren seine wirtschaftlichen Pläne USA aus der Krise hinaus zu ziehen. Sie vertrauen Trump als erfahrener Geschäftsmann dass er weiß wie er das Land zum laufen bringen kann und als „größter Arbeitsplatzschaffer den Gott je geschaffen hat“ Armut bekämpft. Ganz seinem Motto:“Make America Great AGAIN“. Früher war nämlich Alles besser.

Aber was wird passieren wenn man wieder zurück in die Vergangenheit geht? Die Zeit zurück dreht? Nicht vorwärts denkt? Warum würde man es als Baum bei einer bestimmten Blüte belassen wenn man noch tausende Knospen vor sich hat?

Was mich wieder zurück zu Obamas Forderung bringt sich nicht vor Veränderung zu fürchten auch wenn es nur langsam voran geht. Zeit geht nur in eine Richtung und wenn man versucht an einer bestimmten Erinnerung in der Vergangenheit fest zu halten wird man nie die Zukunft sehen.

Ich glaube nicht, dass mit dem Schließen von Obama´s Tür mit dem Schlechten auch alles Gute verschlossen wird, genauso wie ich nicht glaube dass die neue Tür in eine endlose Dunkelheit führt und somit der Anfang des Endes ist. Ich glaube daran, dass jede Veränderung eine gute Seite hat auch wenn es noch nicht offensichtlich ist.

A leader is only powerful when he says jump and people jump. he has no actual power to make them jump. It´s their belief that he has power. It´s an illusion, a shadow on the wall. – George R.R. Martin


xoxo,

Isi♥

Schreibe einen Kommentar