#4 Die USA und die Welt in Schock- Trump’s Präsidentschaft und was es in den Amerikanern auslöst

Es ist offiziell. Donald Trump ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Ehrlich gesagt habe ich am Anfang seiner Kandidatur gedacht es wäre ein Witz, aber wie wir Alle gesehen haben sieht das die Mehrheit der Amerikaner anders.

Darunter auch meine Gastfamilie.

Ja meine Gastfamilie wählt Trump und nein sie sind keine Rassisten, Sexisten oder Homophober. Aber warum wählen sie dann überhaupt Trump?

Genau das habe ich mich auch gefragt als sie mir das erzählt haben, und lange habe ich es nicht verstanden. Ich meine, jemand wie Trump könnte in Deutschland ja nicht einmal kandidieren.

Am Sonntag vor der Wahl ist Trump dann ganz spontan nach Minneapolis gekommen und meine Gastfamilie hat mich gefragt ob ich mitkommen will um seine Kampagne anzuschauen. Dazu muss man sagen, dass sie sehr offen mit ihrer politischen Meinung sind und wirklich jedem seine eigenen Ansichten lassen. Nach etwas Überlegen habe ich mich dann schlussendlich dafür entschieden zu der Rally zu gehen. Nicht weil ich Trump mag, sondern weil es eine einmalige Chance war und mir ermöglicht hat zu verstehen, warum Amerikaner Trump überhaupt wählen.

Die Rally hat offiziell um 14 Uhr angefangen – Um 9 Uhr war die Halle voll. Als wir ankamen haben wir uns dann den Weg durch die paar Tausend Menschen, die vor der Halle standen, gebahnt. Wir sind zwar schlussendlich nicht rein gekommen, aber wir waren ganz vorne außerhalb und haben die Rede durch Lautsprecher verfolgt. Was soll ich sagen, es war wirklich eine Erfahrung. Die Leute sind bei ALLEM was er gesagt hat total ausgeflippt und die meiste Zeit hat man dann deshalb gar nicht verstanden was er gesagt hat weil Alle durchgejubelt haben. Im Großen und Ganzen hat er aber gesagt, dass er endlich Sachen in die Hand nimmt und etwas ändern wird. Dazwischen hat er natürlich immer wieder gegen Clinton gehetzt und Themen angesprochen wie Gesundheitsvorsorge (Healthcare), Flüchtlinge und Handelsverträge die Minnesota seiner Meinung nach schaden. Für Amerikaner ist Trump der Außenseiter der endlich das korrupte Vorgehen der Elite in Washington beendet und sich nicht wie die Demokraten von Geld leiten lässt, sondern für das Volk steht. In ihren Augen ist er die Veränderung die Amerika braucht um es wieder auf Vordermann zu bringen, ganz dem Motto „Make America great again“. Die Menschen hier haben genug von der immer gleichen Regierung und wollen jemanden der endlich etwas für das Volk tut, auch wenn die meisten nicht mit Allem was er sagt zufrieden sind. Oder wie Trump am Sonntag sagte: „You are two days away from the change you were waiting for your entire life.“

Im Grunde kann ich nachvollziehen warum sie Trump wählen… wäre da nicht ALLES ANDERE was er sagt und tut. Während seiner Rede habe ich ehrlich gesagt meistens den Kopf geschüttelt. Es war unglaublich was ich nicht nur von Trump, aber auch von seinen Supportern gehört habe. Dabei sage ich definitiv NICHT, dass seine Wähler alle seine provokanten (=offending) Ansichten teilen, denn das ist nicht der Fall.

Aber Zum Beispiel, ging es um Flüchtlinge. In seinen Augen gibt es zu viele Somalische Flüchtlinge in Minnesota die später sowiso Alle radikalisiert werden. Deshalb ist sein Plan, dass „A Trump administration will not admit any refugees without the support of the local communities where they are being placed, […] It’s the least they could do for you. You’ve suffered enough in Minnesota.“ Auch hat er ein Verbot für Flüchtlinge aus Syrien und anderen schwierigen Gebieten der Welt vorgeschlagen, weil sie schlussendlich doch zu Terroristen werden. Und als die Leute angefangen haben mit „Build that wall!“ konnte ich es einfach nicht fassen.

Hier ein Video zu der Trump Rally

Und zwei Audios, damit ihr euch ein eigenes Bild machen könnt.

Dabei will ich auf keinen Fall sagen, Clinton ist toll und perfekt. Nein Clinton ist für mich auch nicht wirklich eine Wahl. Im Grunde hatten die Amerikaner keine wirkliche Wahl, deshalb ist die Auszählung Dienstag Nacht auch so unglaublich spannend und knapp gewesen. Während sich meine Gastmutter vor Jubelschreien nicht mehr retten konnte, habe ich nach jedem von Trump gewonnenen Staat mehr und mehr Panik bekommen. Um 2:15 Uhr standen die Ergebnisse dann endlich fest und nachdem Cassie (meine Gastmutter) mich geweckt hat um es mir zu erzählen, fiel das Einschlafen auch nicht mehr ganz so leicht.

Die Sache ist, dass das Wahlsystem der Amerikaner so ist, dass es popular votes und electoral votes gibt. Bei den popular votes werden ganz normal die Stimmen pro Kandidat gezählt. Diese entscheiden aber schlussendlich nicht wer der neue Präsident ist. Dafür sind die electoral votes gedacht. Hierbei hat jeder Staat basierend auf seiner Bevölkerung eine bestimmte Anzahl an Stimmen. Der Kandidat der am Ende die meisten electoral votes gewinnt wird dann Präsident. Dabei muss man beachten, dass sich wegen den verschiedenen Bevölkrungsverteilungen sogennante Swingstates ergeben, die total viele electoral votes wert sind. In dieser Wahl hat trump überraschender Weise Alle dieser Swingstates gewonnen, nämlich Florida, South Dakota und Ohio. Aus dem Grund war es schon früh ziemlich offensichtlich, dass er Präsident wird. Trotzdem musste man noch abwarten bis er die nötigen 270 electoral votes gesammelt hat, damit er devinitiv die Mehrheit hat.

Was viele Wähler nun stört ist, dass die eigentliche Mehrheit der Amerikaner Clinton durch die popular votes gewählt hat, aber Trump trotzdem durch die electoral votes gewonnen hat. Das war aber nur einer der vielen Gründe warum die Stimmung am Mittwoch so unglaublich angespannt drückend war.

Bevor ich aber über meinen Schultag nach der Wahl rede, muss man wissen, dass Minnesota ein sehr liberaler Staat ist der keinen Republikaner seit

Nixon in 1972 gewählt hat. Auch dieses Jahr nicht. Vor Allem in den Twin Cities wo ich lebe tendieren die Leute dazu, demokratisch zu wählen, weil dort ein sehr hoher Anteil an Muslimen, und LGBTQ leben. Meine Schule ist sowieso ein Schmelzpunkt jeder möglichen Art von Mensch, vor Allem homosexueller aber einfach sehr toleranter, sozialer und meinungsfester Jugendlicher. Darum waren die Gefühle am Mittwoch umso intensiver.

Ich glaube diese Mappe von 1984 verdeutlicht nochmal ganz gut wie liberal Minnesota ist

In den ersten paar Stunden war es größtenteils Wut die aus meinen Mitschülern gesprochen hat. Wut auf die Amerikaner die jemanden gewählt haben der in ihren Augen gegen das ist was sie sind und für was sie sich einsetzen und stehen. Aus den Lehrern habe ich mehr Verzweiflung gesehen. Warum konnte es passieren, dass Erwachsene Menschen sich einen Mann wie Donald Trump ausgesucht haben ihr Land in der Zukunft zuleiten? Warum hat man es dazu kommen lassen, einen Mann die Macht zugeben Dinge wie Gleichberechtigung für Frauen und LGBTQ zunichte zu machen, nachdem man solange dafür gekämpft hat? Und dann war da noch Angst in fast jedem Gesicht. Angst vor der Zukunft, was mit ihnen, ihrer Freiheit und Sicherheit passieren wird. Zum Beispiel der Vater und die halbe Familie von einer meiner besten Freundinnen sind illegale Einwanderer von Mexiko, und wenn Trump seinem Plan treu bleibt, werden sie direkt abgeschoben. Obwohl Sie in den USA geboren wurde wird Sie dann mit ihrer Familie mitgehen. Sie hat mir erzählt, dass das der Tag war an dem sie ihren Vater das erste Mal in ihrem Leben weinen gesehen hat. Ein anderer Freund von mir ist schwarz und hat eine Doppelte Staatsbürgerschaft mit Kanada und wird nach dem Semester zurück nach Kanada gehen, weil er und seine Familie sich nicht mehr willkommen und sicher fühlen, und da ist er nicht der Einzige. Die Verzweiflung ist dann im laufe des Tages in Frustration und Traurigkeit übergegangen. Meine Tanzlehrerin hat so wie ganz viele andere sogar (fast) angefangen zu weinen, weil es so enttäuschend für ganz viele Menschen war, dass Amerika einen Mann als Präsidenten gewählt hat der so aggressiv gegen amerikas Werte hetzt. Am Ende von dem Tag war aber nur noch Erschöpfung und Müdigkeit übrig. Keiner hatte mehr Kraft darüber zu reden, und Alles was gesagt werden musste war zu dem Punkt des Tages gesagt.

Hier ein Text den eine lesbische Klassenkameradin von mir als Reaktion auf die Wahl geschrieben hat

All diese Gefühle und Enttäuschungen haben sich trotzdem in der Nacht nach der Wahl überall in den USA gesammelt und sich zu einer Protestbewegung gegen Trump gebildet. Es hat in Chicago mit ein paar Leuten angefangen und ist dann auf unglaublich viele Städte übergesprungen und ist zu einem Protest mit Tausenden von Menschen geworden. Natürlich haben auch in St. Paul die Proteste nicht gewartet. Und wirklich aller Meinungsfreiheit Respekt, aber mit Parolen wie „Fuck Donald Trump“ kommt man meiner Meinung nach im Leben nicht weit.

Hier ein Video zu der ersten Demonstration

Den Tag drauf gab es wieder eine, diesmal sehr friedliche, Demonstration und obwohl ich denke, dass man das Ergebnis akzeptieren sollte weil die Mehrheit ja irgendwo gewonnen hat, finde ich es bewundernswert wie aus den Protesten so eine große Bewegung geworden ist. Ich verstehe zwar, dass die Trump Gegner ihre Unzufriedenheit ausdrücken wollen, aber für irgendetwas waren auch die Wahlen da. Ich sage nicht, dass man Alles im Leben hinnehmen soll und, dass man nicht sagen soll was man denkt. Aber der Fakt, dass ein Teil der Demonstranten wie auf dem Video zu sehen, Teenager sind die einfach mal in den Nachrichten seien wollen, lässt mich nach Allem was passiert ist nur noch mehr an den USA zweifeln. Trotzdem ist es meiner Meinung nach toll, wie sich ein Teil der Gruppen zusammen setzten um gemeinsam, friedlich ihre Werte zu verteidigen.

Eine weitere weniger schöne Reaktion die ich am Freitag auf meinem Schulweg gesehen habe

Zudem finde ich es aber auf jeden Fall nicht in Ordnung, dass nachdem Trumps Gegner für Gleichberechtigung, Freiheit und gegen Hass kämpfen, extrem hassgeladen denen gegenüber treten, die Trump über Clinton bevorzugen. Was ich in der Schule nach der Wahl gehört habe hat mich mehr als geschockt. Nur weil ein Mädcehen gesagt hat, dass Sie froh ist, dass Trump gewonnen hat, hat einer gesagt, dass er sie am liebsten die Treppe  runter schucken würde. Oder nur weil meine Gastschwester Liz auf facebook gepostet hat, dass sie auf der Trump Rally war, nehmen Alle an dass Sie Trump super findet, obwohl sie weder Trump noch Clinton mag. Ihre Freunde ignorieren sie deshalb seit neustem in der Schule, ohne dass sie überhaupt mit ihr darüber gesprochen haben. Sie ist im Grunde komplett alleine und ausgeschlossen, und will auch nicht mehr gerne zur Schule gehen. Und das an einer Schule, die dafür steht Jeden zu akzeptieren egal wer er ist und in Was er glaubt. Was genau das ist, das mich so wütend macht, weil es einfach nicht in Ordnung ist jemanden zu ignorieren nur weil man nicht mit seiner politischen Meinung zufrieden ist. Ich meine, dass Trump gewonnen hat, hat nicht von einem Tag auf den nächsten ihre Persönlichkeit geändert!

Was für mich auch unerklärliche ist, ist dass nachdem die Demokraten für persönliche Freiheiten und Alles stehen, es für Trump Supporter einfach nicht möglich ist zum Beispiel Aufkleber oder andere Trump „Promotions“ in den Twin Cities aufzustellen weil sie Angst haben müssen, dass es jemand abreißt oder auf eine andere Weise randaliert.

Trotzdem finde ich, ist es das wichtigste sich jetzt darauf zu konzentrieren das Beste aus der Situation herauszuholen und Menschen zusammen, und nicht auseinander zu bringen. Weil der Hass der vom Volk ausgeht, viel stärker ist als der vom Präsidenten. Schlussendlich hat der Präsident auch nicht übermäßig Macht und was Trump in seiner Kampagne geplant hat kann er sowieso nicht alles in die Realität umsetzen. Zu diesem Schluss sind dann am Donnerstag auch die meisten Menschen gekommen, da sich die Lage allgemein entspannt hat und der Schock nicht mehr so tief saß. Wobei jetzt auf der anderen Seite realisiert wird, dass Trump das Oberste Gericht und den Senat eventuell komplett konservativ machen könnte, und das hat sehr starke Auswirkungen auf Amerika und seine Zukunft.

Was uns/die USA eventuell in den nächsten hundert Tagen erwarten wird könnt ihr hier in Trump´s Zeitplan lesen. Aber wie gesagt, es sind zwar große Worte aber das meiste ist vor allem nicht in so kurzer Zeit umsetzbar.

Ich weis das war ein sehr, sehr langer Blogeintrag, aber es ist auch ein sehr wichtiges und großes Thema was sicher spannend ist auch mal von einer „amerikanischen“ Seite betrachte zu werden. Ich weis ich bin kein Politik Experte, aber ich habe versucht das was in den USA gerade passiert mit All den verschieden Meinungen irgendwie in diesen Blogpost zu bekommen und ich hoffe, dass ich es richtig vermitteln konnte und es keine Trump ist der Teufel und Clinton ein Engel predigt war.

Zum Schluss wollte ich noch sagen, dass auch wenn es unvorhersehbar ist was in der Zukunft passiert, ich immer noch davon überzeugt bin, dass die Regierung nur so mächtig ist wie das Volk es zulässt, und deshalb am Ende alles zu einem Gutem kommt.

Genießt eure Vorweihnachtszeit!

Spread Love not Hate


xoxo,

Isi♥

12 Kommentare

  1. Matze Rösner sagt: Antworten

    Richtig guter post! 😉

    1. Isi Ried sagt: Antworten

      Danke brudii😏

  2. Hey Isi,
    Danke für Deinen tollen Post. Habe ihn gleich getwittert.
    Trump ist auch ein Alptraum für die Tech Industry. Siehe hier.
    http://www.xing-news.com/reader/news/articles/485947

    Leider sind die Demokraten ja auch nicht stark genug im Senat um ihn zu bremsen. Europa muss den Rückschritt der freiheitlichen USA als Chance benutzen die eigene Wirtschaft zu stärken. In den meisten Europäischen Ländern, außer Deutschland, ist die Wirtschaft ja im Moment nicht so toll.

    Wünsche Die weiterhin viel Spass in Amerika.

    Stefan

    1. Isi Ried sagt: Antworten

      Dankeschoen, freut mich dass er dir gefallen hat!
      Die Auswirkungen auf die Tech Industry waren mir ehrlich gesagt ueberhaupt nicht bewusst, das war wirklich ein toller Artikel! es ist ziemlich schockierend und beaengstigend sich vorzustellen was fuer Zustaende aus der Wahl resultiern koennten.
      Und vor Allem, dass der Congress und der Senate quasi komplette „red heads“ werden, ist das was mich am meisten beunruhigt. Jetzt beleibt es nur noch zu hoffen, dass Trump die richtigen Leute fuer die verschiedenen Posten besetzt.
      Lg Isi

  3. Danke Isi für diesen unglaublich spannenden Blog-Post! Ich finde, du hast das alles richtig gut erklärt und ich kann nun vieles besser nachvollziehen, auch wenn ich es wohl nie verstehen werde…fühl dich fest umarmt!!❤❤

    1. Isi Ried sagt: Antworten

      Ooh wie lieb danke♥! Freut mich, dass es dir geholfen hat die Situation zu verstehen!

  4. Ralf Mikulla sagt: Antworten

    Hallo Isi,
    Danke für den guten Beitrag. Er hat Anja und mir sehr gut gefallen. Als ich vor ein paar Tagen über einen Kommentar nachdachte war ich noch eher zuversichtlich dass DT seine Regentschaft eher moderat beginnt. Leider sprechen die ersten Personalentscheidungen eine andere Sprache. Ich bekomme schon ein etwas mulmiges Gefühl, wenn ich sehe wie schnell sich die große Politik auf Dein persönliches Umfeld auswirkt.
    Take care – Have fun – Ralf

    1. Isi Ried sagt: Antworten

      Hi Ralf,
      Vielen lieben Dank! Es freut mich total, dass er euch gefällt. Mittlerweile hat sich die Lage wirklich ziemlich beruhigt. Ich hoff es bleibt so…
      Liebe Grüße- Isi

    1. Isi Ried sagt: Antworten

      huh das macht mir das einschlafen gleich leichter…

  5. Tim Hunke sagt: Antworten

    Toller Blog Eintrag Isi, ist schön deine Reise so zubegleiten:)
    Grüße nach Amerika

    1. Isi Ried sagt: Antworten

      Danke!:)

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