#13 Kein Heimweh während eines Auslandjahrs?

Was den ein oder anderen wahrscheinlich von einem längeren Auslandsaufenthalt abhalten könnte ist die Angst vor Heimweh. Das Gefühl, totalem Unwohlseins und den bitteren Wunsch endlich wieder in seinem geborgenen „Zuhause“ zu sein.

Wie ihr wahrscheinlich bemerkt habt, habe ich das Wort Zuhause in Anführungszeichen gesetzt, denn meiner Meinung nach ist diese Bezeichnungen relativ.

Was bedeutet es eigentlich sich „daheim“ zu fühlen? Was macht ein „Zuhause“ aus? Gibt es überhaupt DAS Zuhause?

Solche und ähnliche Fragen sind mir während meines Auslandsjahrs, 7.159 kilometer von meinem „deutschen Zuhause“ entfernt, öfter als ich gedacht hätte durch den Kopf geschossen. Obwohl die Antwort darauf für jeden komplett unterschiedlich ist, für mich ist klar: „Zuhause“ kann überall sein.

Heimweh: Vorprogrammiert bei einem Schüleraustausch?

Es wird immer Horrorgeschichten über Austauschschüler geben, die in einer furchtbaren Familie leben mussten, keine Freunde gefunden haben und einfach nur zurück in ihr Heimatsland wollten.

Ist ja verständlich, oder? Plötzlich soll man als Teenager in einer neuen Kultur, in der man keine Menschenseele kennt, für ein ganzes Schuljahr zuhause sein, während seine eigentliche Familie und Freunde auf der anderen Seite der Welt leben und man genau weiß, dass man sie für ein ganzes Schuljahr nicht mehr in den Arm nehmen kann, nicht mehr jeden Tag sieht, nicht mehr zusammen lacht und weint. -Mal ehrlich wer würde da keine Panik bekommen?

Deshalb muss doch, wenn man es logisch betrachtet, bei einem Auslandsjahr Heimweh vorprogrammiert sein. Laut Duden bedeutet Heimweh nämlich „große Sehnsucht nach der fernen Heimat oder einem dort wohnenden geliebten Menschen, bei dem man sich geborgen fühlt“. Nun, da man sich offensichtlicher Weise nicht mehr an dem Ort den man als „Zuhause“ kennt befindet und zudem von mehr als nur einem geliebten Menschen getrennt ist, ist es nur natürlich dass man sich nach einer Weile so sehr nach seinem „Zuhause“ sehnt, dass es schmerzt- „Heimweh“ eben.

Ich frage mich aber:

Wie soll man sich nach seinem Zuhause sehnen, wenn man auf der anderen Seite der Welt genauso ein Zuhause hat?

Warum ich kein Heimweh habe

Ehrlich gesagt hatte ich persönlich nicht ein einziges Mal richtiges Heimweh obwohl ich jetzt schon acht Monate von Deutschland weg bin. Bevor sich jetzt aber irgendwer angegriffen fühlt, kein Heimweh haben bedeutet in meiner Definition nicht, dass ich niemanden vermisse. Ich denke wirklich oft an Deutschland und alles was dazu gehört und manchmal wünschte ich, ich wäre dort. In unserem Haus, auf meiner Couch, mit meiner Familie und Freunden, in meiner Schule, in meiner Ballett Klasse, mit deutschem Essen, feiern gehen, und, und, und. Vor allem zurzeit fehlt mir Deutschland ein bisschen mehr als zuvor, warum auch immer, aber Heimweh ist das nicht weil ich hier auch Zuhause bin.

Da mir bewusst ist, dass ich nur unglaublich wenig Zeit in meinem jetzigen „amerikanischen Zuhause“ zur Verfügung habe, habe ich von Anfang an versucht mich so gut wie möglich auf mein amerikanisches Leben zu konzentrieren, was auch bedeutet von meiner deutschen Heimat los zu lassen. Als Austauschschüler kann man einfach kein Doppelleben führen.

Ich denke dadurch, dass ich mich so angestrengt habe mich einzuleben und ein Teil meiner Gastfamilie zu werden, hatte ich schon ein zweites Zuhause und eine zweite Familie bevor ich überhaupt Heimweh nach Deutschland haben konnte.

Der „Typ“ dafür sein

Ein anderer Faktor der in einen „Heimweh-losen“ Auslandsaufenthalt reinspielt ist einfach die Persönlichkeit. Manchen Menschen fällt es leichter sich in der Fremde wohl zu fühlen und für Andere ist es eben ein bisschen schwieriger- was völlig in Ordnung ist! Man kann nicht der Typ für Alles sein, aber man wird nie wissen wie weit man gehen kann, wenn man immer in seiner „Comfort-zone“ bleibt. Deshalb glaube ich, dass wenn man sich nur auf sein neues Zuhause einlässt jeder der „Typ“ sein kann.

Was tun wenn man Heimweh hat?

Und wenn ich tatsächlich mal ein bisschen Heimweh habe, kann ich jedem nur raten sich einfach abzulenken. Auch wenn es so scheint als ob das das Letzte ist, das man machen wollen würde, auf andere Gedanken zu kommen und zu realisieren was für ein Geschenk es ist in einem anderen Land leben zu dürfen ist die beste Medizin. Und schon wundert man sich warum man überhaupt jemals traurig war.

Man kann alles zu seinem Zuhause machen

Wie man „Heimat“ definiert ist für jeden Menschen verschieden. Obwohl ich meine Familie und Freunde in St. Paul, Minnesota als Heimat definiere, weil sie mich von vorne herein in ihre Familie und Gemeinschaft aufgenommen haben, werde ich in alle Ewigkeit den Ort in dem ich aufgewachsen bin „Zuhause“ nennen und mich dahin verbunden fühlen.

Ich werde wahrscheinlich öfter in meinem Leben mein „Zuhause“ mit verschiedenen Orten auf der Welt verbinden, was auch meine Definition von „Heimat“ verändern wird. Sicher werde ich egal wo ich gerade bin „Heimweh“ nach meinem Zuhause in Amerika oder Deutschland haben. Aber ich denke solange man seinen Fokus auf die Gegenwart richtet um sich tatsächlich in seiner jetzigen Umgebung „zuhause“ fühlen zu können, wird „Heimweh“ niemals weh tun, sondern gute Erinnerungen wiederspiegeln die man mit verschiedenen Orten die man „Zuhause“ nennt verbindet.


xoxo

Isi♥

2 Kommentare

  1. Johanna sagt: Antworten

    Richtig schön geschrieben😙
    Freuen uns trotzdem wieder in Deutschland mit dir Kässpätzle machen zu können (mit Tomatensalat!).
    Liebe Grüßle aus Panama
    Julia und Johanna😊

    1. Isi Ried sagt: Antworten

      Ach seid ihr süß, danke! Aber bitte mitgscheide röstzwiebeln! Ich freu mich ganz arg auf euch❤

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